Mountainbike-Route Nr. 2 um Heiligenstadt

Nachdem ich am 28. August bereits die Route Nr. 1 gefahren bin, habe ich mir am vergangenen Sonntag die Route Nr. 2 mit der Bezeichnung Altenberg vorgenommen. Ich will gleich vorne weg erwähnen, die Tour war ziemlich krass, was aber nur marginal nichts mit den Anforderungen an die Strecke zu tun hatte.

Mir war auch sofort klar, ja quasi Bedingung, dass wieder ’ne Spiegelreflexkamera mit muss, da sich dies bei der ersten Tour als super Idee erwies. Ich habe nur das Equipment ein bisschen erweitert, um bei Bedarf flexibler agieren zu können. Das Wetter – das Thermometer zeigte sehr schwüle 28 C° – war mit Blick in den Himmel eher nicht für Landschaftsfotografie gemacht. Grau. Trüb. Trist. Langweilig.

Die Mountainbike Route Nr. 2 um Heiligenstadt in der Übersicht

Routenplanung

Nach meiner Erfahrung bei der Route Nr. 1 habe ich vor Beginn eine kleine Routenplanung gemacht und den Streckenverlauf studiert. Natürlich habe ich mir trotzdem noch den Weg von Frankentracks als GPS-Track auf den Garmin Edge 705 geladen.

Anfahrt

Ein warmer Sonntag im September wäre keine richtiger Sonntag, wären da nicht diese vielen Sonntagsfahrer. Wobei dieses mal alles ein kleinwenig flüssiger voran ging – lediglich in Ebermannstadt gab es einen kleinen Stau. So legte ich die 50 Kilometer nach Heiligenstadt in Oberfranken in ca. 50 Minuten zurück.

Die Tour beginnt

Insgesamt war ich etwas früher dran. So startete ich um 15.06 Uhr am Parkplatz Heiligenstädter See und folgte den Schildern mit der Aufschrift MTB 2.

Ausgangspunkt: Parkplatz am Heiligenstädter See

Der Startpunkt der MTB Route Nr. 2 um Heiligenstadt auf dem Garmin Edge 705

Da die Tour 2 mit 49 km Länge fast 8 km kürzer sein sollte und lediglich 100 Hm mehr haben sollte als die Geisberg-Tour, machte ich mir um das Ereichen des Ausgangspunkts vor Einbruch der Dunkelheit wirklich überhaupt keine Sorgen.

Die Mountainbike Touren um Heiligenstadt: Heute stand Tour Nr. 2 auf dem Plan

Aufgrund meiner Routenplanung wusste ich diesmal, wohin und ich welche Richtung ich fahre. Das änderte zwar nichts an der Tatsche, dass ich mich vor Ort nicht auskannte, aber das Gefühl der völligen Orientierungslosigkeit war nicht gegeben. Auch war mir bewusst, dass die Strecke an der einen oder anderen Stelle nicht direkt verläuft und zu einem kleinen Umweg führt. Das war in Ordnung – weil ich es wusste.

Die Tour 2 begann wie Tour 1 endete – also ging es erst mal bergauf. Ich ließ es zu Beginn sehr ruhig angehen – hatte ja genügend Zeit.

Energie, wo bist du?

Komischerweise hatte ich nach den ersten Metern schon keine Lust mehr auf die Tour. Ich suchte die Gründe dafür in den heißen Temperaturen, der zu dem Zeitpunkt extrem brennenden Sonne und der Tatsache, dass ich am Vortag zuhause noch schnell ’ne 33 km Tour zog. Sportphysiologisch betrachtet befanden sich meine Muskeln scheinbar in einer Regenerationsphase und wollten nicht wirklich  arbeiten – aber ich ließ ihnen dann doch keine Wahl. Lediglich die Frequenz der Bilderpausen wurde ein bisschen höher. Aber das ging für mich in Ordnung. Hehe.

Nach ca. 50 Minuten hatte ich ein kleines Déjà-vu. Es waren gerade mal 9,55 km auf’m Tacho. Aber keine Panik, die Strecke ist ja kürzer und ich bin früher gestartet.

Bodenbeschaffenheit

An diesem Sonntag waren, genau wie am Vortag, die Temperaturen sehr heiß und trocken. Allerdings hatte es die Tage davor stark geregnet. So war die Streckenbeschaffenheit teils sehr unterschiedlich. Die Wege auf freier Flur waren absolut trocken und griffig. Die Abschnitt in den Wäldern aber noch feucht und teilweise ordentlich matschig. Yipppiieee.

Super Wege und Trails: hier am Altenberg

Meine Spuren im Sand

Eigentlich eine super Abfahrt in einem Wald bei Tiefenstürmig, wäre sie nicht so nass und blätterig gewesen

Ein fahrerisch sehr anspruchvolles Teilstück war aber zweifelsohne ein circa 1.500 m langer, leichter Anstieg im Wald. Er wurde mit großen, flachen Kalksteinen aufgeschüttet und war mit Laub vermengt. Natürlich alles patschnass.

Große, lose, feuchte Steine und viel Laub: ein Fahrverhalten wie auf Eis

Beim befahren des Streckenabschnitts, natürlich mit den Northwave Gran Canion 2 GTX in die Shimano PD-M324 eingeklickert, entschieden sich Hinter- und Vorderrad spontan für unterschiedliche Richtungen. Ein Fahrverhalten ähnlich dem auf einer Eisplatte. Einfach herrlich.

Mir wurde hier kurz bewusst, dass es wohl eine gute Idee war, bei dieser Tour doch mal einen Helm zu tragen – auch wenn ich ihn nicht gebraucht habe. Es hätte aber sein können, und dann wohl schneller als ich hätte schauen können. Puuuuuhh. Ich hab’s 400 m lang probiert und dann für mich beschlossen, dass es keine Schande ist, dieses kurze Teilstück zu schieben – es war selbst zu Fuß eine mehr als rutschige Angelegenheit.

Flora und Fauna

Die Landschaft hat sich in den vergangen zwei Wochen auch merklich verändert. So waren fast alle Felder abgeerntet, und größtenteils auch schon umgepflügt und der Raps, oder etwas was ich für Raps hielt, hat begonnen zu blühen.

Freistehende Linde auf einer Hochebene bei Oberngrub

Blick ins Feld am Eggenberg bei Buttenheim: ich glaub wenn die Vögel tief fliegen regnet’s bald

Nur vereinzelt standen noch ein paar Felder Mais. Ich – als gelernter Laie – vermute aber: bestimmt nicht mehr lange.

Maisfeld am Eggenberg

Sehr heiß, der Tag

Ich tippe, es lag an der schwülen Hitze und der gleißenden Sonne, dass meine Getränkereserven schneller aufgebraucht waren als geplant, obwohl ich eigentlich ein notorischer Wenigtrinker bin. Ich würde sogar sagen, dass ich eine Zeit lang auf Reserve fuhr und im Gelände einfach keine Tankstelle kam. Eine Zeit lang.

Endlich Wasser. Ein Brunnen bei Tiefenstürmig

Plötzlich hörte ich das Plätschern von Wasser und wenig später konnte ich auch schon einen Brunnen erkennen. Ich glaube, ich muss erwähnen, dass ich in solchen Sachen etwas eigen bin, aber hier überwog der Durst deutlich. Hab nur noch kurz gecheckt ob irgendwo ein Schild „kein Trinkwasser“ stand. Konnte keins finden und hab’s gewagt – es war sehr kühl, erfrischend und hat geschmeckt. Im Nachhinein kann ich auch sagen: Es hat wirklich nicht geschadet. Hehe.

Upps – da war es wieder: mein Zeitproblem

Ich weiß nicht, wie langsam ich unterwegs war, wo ich überall fotografiert habe und wie ich sonst noch Zeit verblödelt habe – plötzlich Stand die Sonne sehr tief, es begann zu dämmern aber ich hatte noch ein Stückchen Weg vor mir. Mein Ziel, den Ausgangspunkt wieder vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, war mehr als gefährdet.

Imposantes Wolkenspiel bei Kalteneggolsfeld

Außerdem hatte ich nicht bedacht, dass die Tage täglich kürzer werden. Als ich realisiert habe, dass ich den Ausgangspunkt bei Tageslicht eh nicht mehr erreichen werde, wollte ich es dazu nutzen, noch ein paar Bilder zu machen. Die Wolken waren aber auch imposant.

Imposantes Wolkenspiel – und noch mehr – bei Kalteneggolsfeld

In meiner jugendlichen Naivität habe ich natürlich nicht erkannt um welche Art von Wolke es sich bei der dunklen Wolke hinter den Bäumen handelt. Bis in dieser Wolke urplötzlich ein ordentlicher Blitz zuckte.

Was hätte ich machen sollen? Land gewinnen und zu sehen, das ich nach Hause komme. Was habe ich gemacht? Als Mitglied der Generation „MacGyver“ wusste ich natürlich: zähle die Sekunden vom Blitz bis zum Donner, multipliziere diese mit 330 (Schallgeschwindigkeit in m/s) und berechne deinen Abstand zum Gewitter. Im Anschluss handle in Abhängigkeit vom Ergebnis. Es hat aber nur geblitzt, kein Donner, also keine Gefahr, das Gewitter ist weiter als sehr weit weg.

Es blitzte wieder. Was hätte ich machen sollen? Das gleiche wie beim ersten Blitz. Was habe ich gemacht? Auf weiter Flur die Kamera ausgepackt und versucht den nächsten Blitz zu erwischen. Das habe ich ungefähr 40 mal oder 20 Minuten lang versucht. Geklappt hat es nie. Währenddessen machte sich die Dämmerung bereit, der Nacht zu weichen und der Mond ging auf.

Imposantes Wolkenspiel bei Kalteneggolsfeld: ein Gewitter im Anmarsch

Kalteneggolsfeld: auf der gegenüberliegenden Seite ging während dessen der Mond auf

Also machte ich mich schweren Herzens und ohne Bild mit Blitzen auf den Weg, um die noch fehlenden sieben Kilometer bis zum Parkplatz – großteils auf Waldwegen – zurückzulegen. Der Vollmond strahlte mit voller Kraft, hatte aber keine Chance mit seinem Licht die Wege im dichtbewachsenen Wald zu beleuchten.

Vollmond: kurz vor der Einfahrt in den Wald bei Kalteneggolsfeld in Richtung Heiligenstadt

Die Fahrt durch den Wald hätte auch Stephen King nicht viel spannender gestalten können: Hinter mir heulten Wölfe, Füchse und andere Kreaturen des Waldes, linkerhand hob in den Baumwipfeln, umgeben von völliger Dunkelheit, ein Schwarm Vögel in den Nachthimmel ab, während ich mir den Weg auf einem engen, matschig, glatten Trail durch den Wald bahnte.

Stephen King lässt grüßen: Vollmond im Wald

Puuuuuhhh, das war ordentlich Abenteuer, aber ey – sturzfrei absolviert.

Wieder am Parkplatz

Am Parkplatz angekommen wollte ich, wie bei der letzten Tour auch, noch ein paar Bilder machen. Die Dunkelheit störte dabei nicht – ich hatte ja extra einen zusätzlichen Blitz und Funkauslöser dabei.

Bei meinem dritten Versuch kam plötzlich eine Windböe und schob meinen Rucksack – ich schätze der wiegt ungefähr 7 kg – locker 10 Meter über den Parkplatz. Das war für mich das Zeichen, ich sollte jetzt schleunigst das Equipment ins Auto räumen und dabei mit den elektronischen Sachen anfangen.

Wieder am Parkplatz in Heiligenstadt: 23 Sekunden vor dem großen Sturm

Kaum war die Kamera im Auto, ging ein Regensturm – später Gewitter – los, wie ich es selten erlebt habe. Bis ich das Mountainbike am Auto befestigen konnte, war ich bereits pitschnass.

Der Regen und das Wetter störte mich nicht, ich fand es nur ärgerlich, das ich die Bilder nicht wie geplant machen konnte. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich mit der Situation zufrieden gegeben hätte. Also suchte ich einfach nach anderen Möglichkeiten des Bilder machens.

Zuerst experimentierte ich noch im Auto, schließlich wollte ich noch ein Selbstportrait von nach der Tour. Hat geklappt. So einigermaßen.

Schnappschuss im Auto während des Sturms

Aber ich wollte noch mal raus. Natürlich hatte ich für die Kamera kein Regencap dabei – es regnete aber echt stark – deshalb habe ich der Nikon einfach mein Ersatz-T-Shirt angezogen um sie und den Blitz etwas zu schützen. Das war eine reine Weltidee …

Nikon D3100 und Nikon SB600: geschützt durch mein Ersatz-Shirt

Ich finde, dass meine freiwillige Freiluftdusche ein durchaus interessantes Ergebnis lieferte und sich irgendwie lohnte.

… es schüttet wie aus Eimern, klar bin ich dabei man … Parkplatz in Heiligenstadt

Als ich mit der Aktion fertig war und wieder im Auto Platz nahm, die Kamera getrocknet hatte und gerade losfahren wollte, hörte alles auf. Kein Regen. Kein Wind. Kein Nix. Nur Nacht. Super Timing. Also noch g’schwind ein Abschlussfoto und dann ab nach Hause.

Die Ruhe nach dem Sturm

Weitere Bilder von der Tour

Natürlich habe ich während des Tages noch viele, viele, viele andere Bilder gemacht. Einige davon möchte ich Dir hier zeigen.

Streckenprofil

Im Großen und ganzen eine sehr abwechslungsreiche Tour über 1.000 Höhenmeter. Es waren zwei nicht enden wollende Steigungen dabei, zu denen ich nur sagen kann: Alter Schwede. Die Erste kommt kurz nach Frankendorf – auf Schotter – hoch auf den Senftenberg. Der Zweite – asphaltierte – Anstieg startet in Stackendorf hoch auf den Kautschenberg. Dafür gab es aber auch nicht enden wollende Abfahrten auf Schotter, Erde und Waldwegen. Einfach Herrlich.

Tourdaten

Da ich am Parkplatz im Eifer des Gefechts vergessen habe, die Screens des Garmin zu fotografieren, gibt es meine Tourdaten heute in tabellarischer Form.

Attribute Werte
Datum 11.09.2011
Startzeit 15:06 Uhr
Distanz 45,42 km
Aktive Dauer 3:35:22
Totale Dauer 5:12:36
Anstieg (Höhenmeter) 1.087 m
Durchschnittliche Geschwindigkeit 12,5 km/h
Minimale Geschwindigkeit 2,5 km/h
Maximale Geschwindigkeit 54,4 km/h
Durchschnittlicher Pace 4:47 min/km
Minimaler Pace 23:36 min/km
Maximaler Pace 1:06 min/km
Durchschnittliche Herzfrequenz 148 bpm
Kalorien 3.175 kcal
Temperatur 28° C

Die ermittelten GPS-Daten unterscheiden sich von den angegebenen Streckendaten teils erheblich. Ich vermute, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Fazit

Alles in allem fand ich die MTB Route Nr. 2 im Vergleich zur MTB Route Nr. 1 deutlich anspruchsvoller – machte mir aber auch mehr Spaß.

Die Beschilderung war gut, lediglich an drei Stellen schien sie mir nicht ganz logisch oder erkenntlich, evtl. fehlten auch Schilder oder diese waren verdreht. Aber das GPS hat’s gelöst.

Ich kann die Strecke echt jedem empfehlen, der gerne Mountainbike fährt und ein bisschen Kondition hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich diese Strecke noch öfters fahre. Aber erst nachdem ich die noch ausstehende Route Nr. 3 um Heiligenstadt kenne.

4 Kommentare

  1. Schöner Bericht mit super Bildern! Werd mich hier noch etwas umsehen, Deine Seite in den RSS Reader schmeißen und mich auf weitere Beiträge freuen.

  2. Hallo! Ich habe deinen Blog eben durch einen Kommentar bei 1972-Paddy entdeckt. Nun habe ich mich bestimmt eine halbe Stunde durch deine Beiträge gewühlt. Wahnsinnig spannend – das meine ich wirklich so!
    Und dann die Geschichte mit dem Mountainbiken hier. Echt klasse zu lesen. Und die Bilder dazu sind einfach witzig, toll, anregend, spannend, … ich freu mich einfach! MTB fahre ich auch gerne, nur als Flachlandtiroler hier im Norden ist das eher immer eine Radtour. Ich denke aber, dass ich deine Ideen mal aufgreife und sicher auch mal meine Erlebnisse blogge.
    Toller Blog! Weiter so!
    Gruß Ralf

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