Von Hensel zu Priolite

Am Firmengelände von Priolite in Würzburg

Am Firmengelände von Priolite in Würzburg

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich mich, ich glaub‘ es war 2007, ins Auto setzte und auf den Weg Richtung Würzburg machte. Zu jener Zeit war ich Azubi, verdiente also nicht gerade viel, fotografierte aber schon sehr, sehr gerne. Mit wenig, aber schon relativ hochwertigem Equipment. Meine erste Kamera war eine Fuji S2 Pro, und ich glaub‘ ich sparte fast zwei Jahre dafür, aber das tut hier nix zur Sache. So eigentlich.

Ich glaub‘ ich brauch jetzt mal ’ne Blitzanlage

Ja, genau: eine Blitzanlage. Das war eine ziemliche Recherchiererei, mit dem Ergebnis, dass so eine Anlage nur Licht macht und man sich im Idealfall nur einmal im Leben eine kauft. Also so neben dem ganzen technischen Zeugs. Da ändert sich nix mehr. Die Technik ist fertig entwickelt. So haben ’se gesagt.

Mein Bauch sagte mir, dass Hensel wohl die beste Wahl wäre. Zuverlässig, robust und aus Franken. Des bassd. Außerdem ist Hensel, zumindest in meinen Augen, im Bereich der Blitzanlagen, in etwa wie Leica im Kamerasektor oder Hilti bei den Schlagbohrmaschinen. Qualitativ und preislich.

Das passte eher nicht so. Aber egal, irgendwann war das Konto voll genug, ich hatte von nix ’ne Ahnung aber dafür hundertprozentig sicher, eine Hensel-Anlage zu brauchen. Einen Anruf und zwei Tage später saß ich dann im Auto.

Bei Hensel angekommen, wurde ich freundlich – aber auch etwas staunend – empfangen. Bin wahrscheinlich nicht die typische Kundschaft. Aber was soll’s. Meine Fragen wurden vom Hensel-Vertrieb beantwortet, ich begann im Ansatz zu verstehen, wie das mit den Blitzanlagen und Kameras überhaupt funktioniert und war dann so beeindruckt, dass ich gleich mal zwei 500 Ws Kompaktblitzköpfe der Expert Pro Serie, Stative, Softboxen, Belichtungsmesser, etc. einpackte. Echt cooles Zeugs und der Kofferraum war voll.

Es kam, wie ich’s mir wünschte: Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut und die Anlage im Lauf der Zeit noch fleißig erweitert.

Und trotzdem: es ging letzte Woche wieder nach Würzburg, zwei Straßen weiter, zu Priolite.

Priolite und das Ding mit dem Hotsync

Das Prozedere war das Gleiche: anrufen; Termin vereinbaren und hinfahren. Aber warum der Wechsel? Es passierte, was damals noch niemand – also zumindest ich – für möglich hielt. Die Blitztechnik hat sich weiterentwickelt und Priolite hat das ganze auf ein zuverlässiges, reproduzierbares und verlaufsfreies Level gehoben.

Kann man mit gewöhnlichen Blitzgeräten nur bis zur Blitzsynchronzeit, meist eine 1/200 Sekunde blitzen, ist es nun auch möglich, bis zu einer Verschlusszeit von 1/8000 Sekunde mit dem Blitz zu arbeiten, wodurch sich ganz neue Möglichkeiten im Bildlook ergeben.

Mein Gesprächspartner bei Priolite war kein geringerer als der Entwickler und Geschäftführer Dipl.-Ing. Joachim Renschke (Interview bei Youtube).

Zu Beginn ein bisschen Theorie

Anfangs erklärte mir Joachim Renschke ausführlichst und sehr didaktisch die Funktionsweise von Kameraverschluss und Blitzsynchronzeit, also von der technischen Seite. Blitzsynchronzeit bedeutet dabei eigentlich nur, das bei allen Zeiten, die kürzer sind als diese, der Verschluss zu keinem Moment völlig offen ist und sich der Verschluss oben schon wieder zu schließen beginnt, während er unten noch nicht mal offen war. Siehe auch hier. Deshalb ist es mit normalen Blitzen auch ohne Tricks nicht möglich, den Sensor überall mit Licht zu füllen. Wann denn auch, er ist ja nie vollständig geöffnet.

Der Priolite MBX1000 HotSync in der Abendsonne

Aber mit der bei Priolite HotSync genannten Technologie funktioniert das. Der Trick ist einfach, dass man den Blitz zündet, wenn der Vorhang los läuft und – wichtig – das der Blitz so lange brennt, bis der Sensor wieder geschlossen ist. Der HotSync-Blitz muss also ziemlich viel länger leuchten als ein gewöhnlicher Blitz. Dabei verändert sich aber noch mehr. Während beim klassischen Blitzen das Blitzlicht (welches ja nur für einen wirklich ganz kurzen Moment da ist) die Bewegung einfriert, ist das mit der HotSync Technologie nicht möglich. Aber dafür kann ich mit ner 1/8000 Sekunde arbeiten. Und die friert die Bewegung eben so ein.

Natoll, das ist alles? Und was bringt’s?

Na ganz einfach, wenn man bei Sonnenschein draußen fotografiert und die Blende aufmachen will – um mit Tiefenschärfe zu arbeiten – ist man ja wohl ziemlich schnell bei einer Belichtungszeit kürzer der Synchronzeit, und somit wäre blitzen tabu und das aufhellen von vorne via Blitz nicht möglich. Außerdem kann man’s durch ’ne kurze Zeit und wenig Blitzleistung auch mal Nacht werden lassen. Zur Mittagszeit.

Aja, und in der Praxis?

Bereits im Vorfeld habe ich mein Interesse am MBX1000 Hotsync bekundet, und so wurde quasi bei meinem Eintreffen zusammen mit dem benötigten Auslöser, einer für mich aus dem Regal gezogen. Weiter hatte ich gleich meine beiden Kameras, die Nikon D4 und die Nikon D800 dabei.

Dipl.-Ing. Joachim Renschke konfiguriert den HotSync-Auslöser für meine Nikon D800

Dipl.-Ing. Joachim Renschke konfiguriert den HotSync-Auslöser für meine Nikon D800

Und dann gings Step by Step: Joachim Renschke schaltete den Blitz ein, steckte den Auslöser auf, wir stellten die Kamera auf M bei einer 1/160 und ner Blende 5.6 und ISO 100 oder so. Wir machten ein Bild. Dabei fragt er mich, was wohl auf dem Bild zu sehen sei. das erste Bild war schwarz. Also regelten wir die Leistung am Blitz hoch, bis alles passte und der Testschuss korrekt belichtet war.

Dann drehten wir die Belichtungszeit kürzer, so auf ne 1/400 oder so und wieder musste ich raten, was auf dem Bild zu sehen ist: Na klar, ein Bild mit schwarzen Balken. Und Bingo, ich hatte recht. Hä? Mit HotSync hat das aber nix zu tun.

Im nächsten Step wurde die Kamera über den 10-poligen Anschluss mit dem Auslöser verbunden und jeweils die für meine Kameras korrekten „Delay“-Werte eingespeichert. Das wurde alles für mich gemacht. Ich musste mich um nix kümmern. Insgesamt kann man im Auslöser die Werte für 9 Kameras speichern. Im Anschluss wurde wieder „probiert“. Zumindest nannte das Joachim Renschke so. Und – oh welch ein Wunder – plötzlich konnte ich bis zur 1/8000 Sekunde blitzen. Und zwar völlig ohne schwarzen Balken am Bildende und auch – wie bei Lösungen aus China vorkommend – ohne leichten Grauverlauf über’m Bild. Dafür absolut zuverlässig und reproduzierbar. Vollgut.

Meine, ich kann’s nicht leugnen, anfängliche Skepsis gegenüber der noch jungen Firma Priolite ist mittlerweile verflogen und schwenkte in Begeisterung um.

Aber es geht noch mehr. Mehr Lichtformer. Neben Priolite kann man auch Bowens und sogar viele Hensel-Refelktoren direkt und ohne Adapter an den Blitzköpfen befestigen. Wie genial. Wieso machen das eigentlich nicht alle Hersteller so?

Was mir an der, zugegebenermaßen, nicht so kleinen Priolite-Auslöser super gefällt, dass man alles damit steuern kann.

Nach einer kurzen Führung durch die kleine Firma, von den Büros über’s Lager in die Fertigung und Werkstatt, war ich mir sicher, dass, so glaube ich zumindest heute, Priolite ein guter und innovativer Partner für leistungsstarke, mobile Lichtlösungen für mich ist.

Mein erster Eindruck

Ich habe außer bisschen probieren noch nichts damit gemacht, aber aktuell wirkt der Priolite MBX1000 Hotsync in Bezug auf Robustheit wie meine Hensel, nur etwas mehr durchdacht, was beim integrierten, aber wechselbaren Akku beginnt, sich über den verschiebbaren Schwerpunkt am Stativ fortsetzt, und ich glaube, beim Schirmhalter, welcher den Schirm über die volle Baulänge des Geräts und nicht nur punktuell hält noch lange nicht endet.

Natürlich will ich auch nicht verschweigen, dass es mit dem Prolite HotSync bauartbedingt nicht möglich ist, innerhalb der Synchronzeit schnelle Bewegungen einzufrieren. Dafür ist die Blitzabbrennzeit als auch die Verschlusszeit einfach zu lange. Aber dafür kann ich dann ja die Hensel-Geräte verwenden und etwaig den Priolite – falls ich vier Geräte zeitgleich brauche, für die Hintergrundbeleuchtung verwenden. Da bewegt sich nämlich meistens nix bis wenig, was eingefroren werden müsste.

Apropos wenig. Das finde ich im Vergleich zu Hensel auch nicht so schlecht. Den MBX1000 kann man um eine Blende mehr runter regeln als den MBX500, sodass man auf die gleiche Minimal-Blitzleistung kommt. So kann man sich – falls man nicht weiß, für welches Gerät man sich entscheiden soll, getrost für den Großen entscheiden – was für den Einsatz draußen generell nicht so unsinnvoll ist.

Zur Größe will ich noch nicht viel sagen, außer vielleicht, wirklich klein ist was anderes. Aber was soll’s der MBX1000 passt noch gut in meinen Rucksack und auf Verdacht hat man Blitzgeräte dieser Klasse meist eh nicht dabei und bei Fotojobs bin ich nicht alleine. Ich glaube, das ist super handelbar.

Fazit

Der, ähm nee, mein Priolite MBX1000 HotSync in der Abendsonne

Der, ähm nee, mein Priolite MBX1000 HotSync in der Abendsonne

Mein zweiter Besuch in Würzburg endete wie bekannt: Ich fuhr mit einer Kiste mehr im Kofferraum und dem Gefühl, ein zuverlässiges Werkzeug gekauft zu haben, nach Hause.

Ach ja, ich weiß nicht, ob ich’s erwähnt habe, aber 2007 hieß der Geschäftsführer bei Hensel noch – ja genau – Joachim Renschke und nicht so ganz unbeteiligt bei der Entwicklung einiger Klassiker aus dem Haus. Stichwort: Porty. Ich bin gespannt, was bei Priolite die nächsten Jahre noch kommt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.